Was kostet ein forensisches Gutachten? Und wann lohnt es sich?

Die Frage, die ich am häufigsten höre, ist nicht „Was kann ein forensisches Gutachten leisten?“ – sondern: „Was kostet das denn?“

Die ehrliche Antwort: Es hängt vom Fall ab. Aber ich gebe Ihnen hier eine realistische Orientierung, damit Sie wissen, woran Sie sich halten können.

Was steckt in einem forensischen Gutachten?

Ein forensisches Gutachten ist keine Software, die man einfach „durchlaufen“ lässt. Es ist ein verfahrensfähiges Dokument, das folgende Schritte umfasst:

  1. Sicherstellung & Dokumentation: Die zu untersuchenden Datenträger (Festplatten, SSDs, Cloud-Daten) werden gesichert – bitgenau, mit Hash-Werten, so dass die Unversehrtheit nachweisbar bleibt.
  2. Analyse: Je nach Fragestellung: Datenrettung, Rekonstruktion von Löschvorgängen, Analyse von Logdateien, Prüfung auf Schadsoftware, Rekonstruktion von Zugriffen oder Kommunikationswegen.
  3. Bewertung & Einordnung: Die technischen Befunde werden in eine rechtlich verwertbare Sprache übersetzt. Was bedeutet das Ergebnis für Ihre Fragestellung?
  4. Gutachtensschrift: Das fertige Dokument, das Sie einem Gericht, einer Versicherung oder Ihrem Anwalt vorlegen können.

Wovon hängt der Preis ab?

FaktorEinfluss auf den Preis
Anzahl und Art der Datenträger1 Laptop vs. 20 Server – großer Unterschied
Komplexität der Fragestellung„Wurde die Datei gelöscht?“ ist einfacher als „Rekonstruieren Sie den kompletten Datenabfluss über 3 Monate“
Ob Gerichtsgutachten oder PrivatgutachtenGerichtsgutachten haben höhere Anforderungen an Form und Nachvollziehbarkeit
ZeitdruckEilfälle (z. B. Beweissicherung vor einem Prozess) kosten mehr
Umfang der DokumentationJe detaillierter die Begründung, desto mehr Arbeitszeit

Realistische Preisspannen

Als grobe Orientierung – basierend auf meinem Stundenlohn von 100 € und typischen Aufwänden:

  • Einfaches Privatgutachten (z. B. „Wurde diese Datei manipuliert?“): ca. 1.500 – 3.000 €
  • Mittleres Gutachten (mehrere Datenträger, komplexere Fragestellung): ca. 3.000 – 7.000 €
  • Umfassendes Gerichtsgutachten (viele Systeme, Rekonstruktion, ausführliche Dokumentation): ca. 7.000 – 15.000 €+

Wann lohnt sich ein Gutachten?

Ja, es lohnt sich, wenn:

  • Ein strafrechtliches Verfahren anhängig ist oder droht (z. B. Wirtschaftskriminalität, Datenmissbrauch, Cybermobiling mit Strafanzeige)
  • Sie in einem Zivilprozess technische Beweise brauchen (z. B. „Wurde der Vertrag tatsächlich von diesem Account abgeschickt?“)
  • Eine Versicherung einen Vorfall prüfen will und ein unabhängiges Gutachten verlangt
  • Sie eine Stellungnahme zu einem bereits vorliegenden Gutachten brauchen – z. B. weil das Ergebnis für Sie nicht nachvollziehbar ist

Vielleicht reicht auch weniger:

  • Wenn es nur um eine erste Einschätzung geht („Ist mein System kompromittiert?“), kann ein kürzeres Sachverständigengutachten oder eine Stellungnahme ausreichen – deutlich günstiger als ein volles Gutachten.
  • Sprechen Sie mich an, bevor Sie ein Gutachten in Auftrag geben. Oft kann ich nach einem kurzen Vorgespräch sagen, was realistisch nötig ist.

Was Sie vor dem Auftrag tun sollten

  1. Keine Daten verändern. Wenn ein Vorfall passiert ist: Gerät ausschalten (nicht herunterfahren!), keine Apps öffnen, keine „Schutzmaßnahmen“ selbst durchführen. Jeder Klick kann Spuren verändern.
  2. Ihren Anwalt informieren. Der weiß, welche Fragestellung gerichtsfest formuliert werden muss.
  3. Kostenvoranschlag anfordern. Ich erstelle vor jedem Gutachten einen verbindlichen Kostenvoranschlag – Sie wissen also vorher, was es kostet.

Ein gutes forensisches Gutachten ist keine Kostenfrage, sondern eine Investition in Ihre rechtliche Position.