Seit dem 1. April 2025 gilt die überarbeitete IT-Sicherheitsrichtlinie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nach § 390 SGB V. Sie ersetzt die bisherige Richtlinie von 2020 und bringt für viele Praxen neue oder verschärfte Anforderungen mit sich.
Ich erkläre Ihnen hier, was sich konkret geändert hat und welche Fristen Sie kennen müssen – ohne Paragrafen-Dschungel.
Was ist neu gegenüber der alten Richtlinie?
Die neue Richtlinie erweitert den Umfang in mehreren Bereichen. Die wichtigsten Änderungen für Ihren Praxisalltag:
Personal & Schulung (A1, Punkte 1–10)
Jede Person, die in der Praxis mit IT-Systemen arbeitet – auch Teilzeitkräfte und Aushilfen – muss regelmäßig zur Informationssicherheit geschult werden. Das gilt nicht nur für die Empfangsdame, sondern auch für den Studenten, der einmal im Monat hilft.
Patch- und Änderungsmanagement (A1, Punkte 14–17)
Sie müssen dokumentieren, dass Sicherheitsupdates eingespielt werden – bei Praxissoftware, Betriebssystemen und Peripheriegeräten. Ein einfaches „Wir machen das schon“ reicht nicht. Es braucht einen nachvollziehbaren Prozess.
Endgeräte (A1, Punkte 22–26)
Laptops, Tablets und Drucker in der Praxis fallen jetzt explizit unter die Richtlinie. Besonders relevant: mobile Geräte, die auch außerhalb der Praxis genutzt werden.
E-Mail-Client und -Server (A1, Punkt 40/41; A3, Punkte 15–17)
Der E-Mail-Versand – also auch der Versand von Befunden und Patienteninformationen – muss abgesichert sein. TLS-Verschlüsselung und Absenderprüfung sind hier Pflicht.
Cloud-Anwendungen (A1, Punkt 50)
Nutzen Sie Cloud-Dienste – sei es für Backups, Dokumentenablage oder Videokonsile – müssen diese die Anforderungen der Richtlinie erfüllen. Das betrifft auch scheinbar harmlose Dienste wie OneDrive oder Google Workspace.
Was gilt bereits? Und was kommt noch?
Hier die wichtigsten Fristen im Überblick:
| Bereich | Frist |
|---|---|
| Grundanforderungen (A1, A3, A5) | 01.04.2025 – bereits in Kraft |
| Neue Anforderungen Personal & Schulung | 01.10.2025 |
| Patch- und Änderungsmanagement | 01.10.2025 |
| Endgeräte | 01.10.2025 |
| E-Mail-Client/-Server | 01.10.2025 |
| Cloud-Anwendungen | 01.10.2025 |
| Gehosteter Konnektor & TI-Gateway (A5) | 01.10.2025 |
Wichtig: Die Fristen gelten unabhängig von der Praxisgröße. Auch eine Ein-Personen-Praxis muss die Anforderungen erfüllen – der Umfang der Dokumentation richtet sich allerdings nach der Größe.
Was bedeutet das konkret für Sie?
Wenn Sie Ihre IT-Sicherheit bisher „irgendwie“ organisiert haben, ist jetzt der Zeitpunkt, einen strukturierten Blick darauf zu werfen. Die häufigsten Lücken, die ich in Praxen sehe:
- Keine dokumentierte Schulung der Mitarbeiter
- Praxissoftware wird nur aktualisiert, wenn sie es selbst vorschlägt (und das nicht immer)
- Der alte Drucker im Flur läuft noch mit einem Betriebssystem von 2015
- Cloud-Speicher für Befunde, ohne dass die Datenverarbeitung vertraglich geregelt ist
Was Sie jetzt tun können
- Bestandsaufnahme: Welche Systeme haben Sie? Wer hat Zugriff? Wo liegen die Lücken?
- Dokumentation aufbauen: Auch wenn es nur ein einfaches Excel-Blatt ist – dokumentieren, was gemacht wird und wann.
- Fachkundige Unterstützung holen: Als KBV-zertifizierter Dienstleister unterstütze ich Sie bei der Absicherung nach § 390 SGB V – von der ersten Bestandsaufnahme bis zur fertigen Dokumentation: Kontakt
Ihre Praxis ist nicht sicher, nur weil noch nichts passiert ist. Die Richtlinie verlangt Prävention, nicht Reaktion.

